Rezension von Daniel Jonah Goldhagens „Das Böse stirbt nie aus”, Teil 1

19 Juni 2015

Original English version: “A Review of The Devil That Never Dies” by Daniel Jonah Goldhagen, Part 1, by Brenton Sanderson, originally posted June 19, 2015.

Daniel Jonah Goldhagen ist am besten bekannt für sein 1996 erschienenes Buch Hitlers Willige Vollstrecker: Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Trotz einer mangelhaften Geschichtsschreibung weckte dieses polemische Werk ein riesiges Medieninteresse und begründete seinen Ruf als vermeintliche Autorität in den Bereichen „Antisemitismus” und dem „Holocaust.” Schnell konnte er mit seiner extremen Variante jüdischer Apologetik in der New York Times, der Los Angeles Times, der Washington Post, der New Republic und anderen jüdisch-kontrollierten Presseorganen weltweit hausieren gehen.

Als ehemaliger Assistenzprofessor für Politikwissenschaft und Soziologie an der Harvard-Universität hat Goldhagen seitdem weitere Bücher produziert, in denen er Europäer wegen ihres hartnäckigen „Antisemitismus” und ihrer angeblich enthusiastischen Beteiligung am „Holocaust” moralisch anklagt. Darunter befinden sich Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung in Schuld und Sühne (2003) und Schlimmer als Krieg: Wie Völkermord entsteht und er zu verhindern ist (2009). 2013 wurde Das Böse stirbt nie aus: Der Aufstieg des globalen Antisemitismus von einem bedeutenden kommerziellen Verleger veröffentlicht und als „eine bahnbrechende —und furchteinflößende— Untersuchung über das weitverbreitete  Wiedererwachen des Antisemitismus im 21. Jahrhundert” angepriesen.

Goldhagen bevorzugt den Begriff „Antisemitismus” im Gegensatz zum durch Bindestrich getrennten „Anti-Semitismus”— ohne Zweifel, weil letzterer die Existenz eines „Semitismus” impliziert, der die dialektische Basis für einen „Antisemitismus” bieten könnte (und dies freilich auch tut). Auf diese Weise signalisiert er seine Ablehnung der Gegebenheit, dass Feindschaft gegen Juden von einem Interessenkonflikt zwischen Juden und Nichtjuden in einer darwinistischen Welt herrührt. Die Tatsache, dass Juden ihre ethnischen Interessen durchsetzen (Semitismus), führt unausweichlich zu Ressentiments bei denjenigen, deren Interessen als Folge geschadet wird (sogenannter Anti-Semitismus). Diese einfache Wahrheit zu akzeptieren bedeutet, dass Nichtjuden (einschließlich der Europäer) legitime Interessen haben und dass ihr Wunsch, sich denen zu widersetzen, die unseren Interessen entgegenstehen, durchaus rational ist.

Für Goldhagen ist jüdisches Verhalten dennoch irrelevant, um die seit zwei Jahrtausenden nationen- und kulturübergreifend bestehende Feindschaft gegen Juden zu verstehen: „Antisemitismus hat Völker, Gesellschaften, sogar Zivilisationen zweitausend Jahre lang bewegt, und das trotz der anderen großen Veränderungen in der Welt und jenen, die diese Zivilisationen und Gesellschaften durchmachten — wirtschaftliche, wissenschaftliche, technologische, politische, soziale und kulturelle.”[1] Ungeachtet des beständigen und oft heftigen Gegensatzes zwischen Juden und Nichtjuden im Laufe der aufgezeichneten Geschichte argumentiert Goldhagen: „Antisemitismus als eine begründete (wenn auch manchmal überzogene) Reaktion auf das Benehmen von Juden zurückzuführen” sei ein gutes Beispiel für einen „Denkfehler.”[2] 

 „Antisemitismus” wird erklärt

Statt einer vorhersehbaren und rationalen Reaktion auf jüdisches Verhalten sind antijüdische Empfindungen für Goldhagen eine Art dämonischer Kraft. Er nennt den „Antisemitismus” einen „Teufel” und behauptet, dass sich „Millionen und Abermillionen” moralisch dysfunktionaler Nichtjuden im Banne dieser teuflischer Verkörperung des einmalig Bösen befinden.

Der Teufel, seit zweitausend Jahren unser Begleiter, ist wieder da. Dieser Teufel hat sich bereits an Hunderte von Millionen Menschen angeschlichen. Er hat Religionen verformt. Er hat auf der ganzen Welt Seelen und Herzen entflammt. Unruhen und Pogrome ausgelöst. Zur Vertreibung von Millionen geführt. Er hat die Empfindlichkeiten der Leute so pervertiert, dass er sie davon überzeugen konnte, im Namen der Güte und in dem Gottes unzählige Menschen zu quälen und zu foltern. Er ist noch weitergegangen, indem er Leute wieder und immer wieder zum Massenmord anstiftete, einschließlich einer der verhängnisvollsten Übergriffe der Menschheit, der versuchte Mord an einem ganzen Volke, dem in einem historischen Augenblick sechs Millionen seiner Angehörigen zum Opfer fielen. Der Teufel, nach einer Periode relative Stille, ist wieder aufgetaucht, lässt seine Muskeln spielen und stolziert auf der Welt einher, mit mehr und mehr Vertrauen, Macht und Zuspruch. Dieser Teufel ist der Antisemitismus.[3]

Die Wörter „Antisemitismus”, „antisemitisch” und „Antisemit” besitzen für Goldhagen fast die übernatürliche Kraft einer Verwünschung; für ihn bezeichnen sie die reinste Form des Bösen, die auf diesem Planeten existiert. Im Gegensatz dazu gibt es für jüdische Feindschaft gegen Nichtjuden keine entsprechenden Begriffe — was uns zu der falschen Annahme führt, dass diese nicht existiert. Für den Fall, dass wir irgendwelche Zweifel darüber haben, was „Antisemitismus” ist, und wer das gefürchtete Etikett „Antisemit” verdient, informiert uns Goldhagen feierlich über Folgendes:

Antisemitismus ist ein Gedanke. Ein Gefühl. Eine Rede. Eine Tat. Untätigkeit. Antisemitismus existiert und kann als solcher identifiziert werden, falls irgendetwas von dem in einer antijüdischen Form vorhanden ist. Eine Person ist antisemitisch, falls er oder sie sich auf  irgendetwas von dem einlässt. Eine Person, die antisemitische Gedanken äußert, vorurteilsbehaftete Gedanken gegen Juden, ist ein Antisemit, unabhängig von ihren Gefühlen, Worten, Taten oder ob sie untätig bleibt. Eine Person mit einer Aversion gegen Juden, die sie instinktiv fühlt, selbst wenn sie keine konkreten Vorurteile hat, sich nicht gegen Juden äußert oder tätig wird, ist ein Antisemit. Eine Person, die antisemitische Handlungen ausführt, egal wir sie darüber denkt, ist ein Antisemit. Wenn wir von Vorurteilen reden, ist es wie bei vielen anderen Dingen: wenn Du Böses tust (ungeachtet innerer Gedanken und Gefühle), dann bist Du, was Du tust. Und wenn eine Person nicht wahrnimmt, dass offensichtlich vorurteilsbeladene Worte gegen Juden Vorurteile darstellen und demzufolge antisemitisch sind, so geschieht dies aufgrund einer verzerrten Wahrnehmung und auch das stellt Antisemitismus dar.[4]

Nachdem er in wahrhaft paranoider Art und Weise behauptet, dass sogar Gedanken (oder deren Ermangelung) „antisemitisch” sein können und eine existentielle Bedrohung für Juden darstellen, diskutiert Goldhagen von der jüdischen Antidiffamierungsliga (ADL) durchgeführte Umfragen, um das weltweite Ausmaß  antijüdischer Gefühle festzulegen. Angeblich „zeigen diese, dass Dutzende Millionen, ja sogar Hunderte Millionen Menschen auf verschiedenen Kontinenten antisemitisch sind.”[5] Trotzdem geben diese Ergebnisse für ihn nicht das ganze Ausmaß an „Antisemitismus” wieder, weil „die Leute abgeneigt sind, ihre vorurteilsbeladenen Ansichten zu äußern, da diese in der Öffentlichkeit nicht gebilligt werden, man sie als rassistisch oder antisemitisch ansehen könnte und  insbesondere letztere einen mit Hitler und den Gaskammern in Verbindung bringen könnten.”[6] Für Goldhagen sind die angeblichen mörderischen Gaskammern ein zentraler Aspekt des „Holocaust” und der auf ihm aufbauenden sozialen und politischen Ordnung, da ohne sie der „Holocaust” „nicht zu einem Synonym für das Böse geworden wäre und somit alles scheinbar damit Zusammenhängende delegitimisiert, einschließlich  des Antisemitismus.“[7]

Goldhagen informiert uns darüber, dass „gemäß den Umfragen, die lediglich einige wenige der vielen potentiellen antisemitischen Themen anschneiden”,  150 Millionen Menschen in der Europäischen Union und 45 Millionen in den Vereinigten Staaten „mehrere ineinandergreifende antisemitische Ansichten haben — und somit das Potential für die Ausbreitung des antisemitischen Diskurses und anderer antisemitischer Erscheinungsformen beträchtlich erscheint. Das ist beunruhigend.”[8] Obwohl er immer noch darauf besteht, dass der „Antisemitismus” in den USA „alarmierend” und ein „substantielles Problem sei”, findet es Goldhagen „extrem ermutigend” dass „die Anzahl der Personen, die mehrere und ineinandergreifende antisemitische Auffassungen hatten 1964 30% betrug”, während „es heute 15% sind.”

Diesen Rückgang schreibt er folgendem Umstand zu: „Dank der Amerikaner hat das neue Konzept der öffentlichen Kultur und Politik zu dieser Verbesserung geführt”. Dann schlägt er vor: „Die Erziehung in den Vereinigten Staaten, wo man entschlossen gegen Vorurteile Stellung bezieht und Menschen verstärkt in den öffentlichen Diskurs der Gesellschaft integriert, verringert den Antisemitismus ungemein.”[9] Gleiches passiert in Europa: „Jüngere Generationen, die in einem öffentlichen Diskurs mit neuen Plausibilitätsstrukturen aufgewachsen sind und denen man in der Schule ein nichtantisemitisches Modell der Welt beigebracht hat, wachsen zwangsläufig weniger antisemitisch auf, sodass Antisemitismus in Europa weniger vorherrschend ist, speziell in seinem antisemitischen Herzen, Deutschland.”[10]

Die „Erziehung” und der „neue öffentliche Diskurs” im Westen, auf die sich Goldhagen bezieht, sind Euphemismen für die jüdische Vorherrschaft in den Bereichen Erziehung, Medien und Unterhaltung sowie ihre eifrige Überwachung jeder öffentlichen Diskussion — speziell wenn sie sich auf Juden bezieht. In Wahrheit sind die Juden das einzig erkennbare Volk, das mit Ausnahme des Internets den Informationsfluss in westlichen Ländern kontrolliert und ein tiefes Bedürfnis danach empfindet. Wenn jüdische Beweggründe und Verhaltensweisen allseits bekannt sind und man über diese diskutiert, kommen zwangsläufig antijüdische Gefühle auf. Mit der Konsolidierung jüdischer Macht im Westen seit den 60er Jahren aber haben westliche Regierungen und Medien Kritikern eines jüdischen Zugangs „zur Öffentlichkeit und deren Gestaltung des öffentlichen Diskurses” geradezu davon abgeschnitten. Das Ergebnis war, dass potentielle Kritiker der Juden „vor aller Augen mundtot gemacht wurden und sie eine ungeheuerliche Selbstzensur ausüben mussten.”[11]

Goldhagen bemerkt, dass die Menschen in Europa und Nordamerika immer noch darauf achten müssen, wie sie über Juden reden, weil „die Tabus, was die Art und Weise vieler Aspekte antisemitischer Ausdrucksweise … immer noch existieren.”[12] Dies ist wenig überraschend angesichts der Tatsache, dass alles was die Leute von den etablierten Medien hören bereits gefiltert wurde. Die durch das Internet erfolgende unreglementierte Kommunikation beunruhigt Goldhagen sehr, denn er befürchtet, dass „insbesondere das Internet, jedermann allzeit und überall zugänglich, die neue, große, in dieser Hinsicht geradezu revolutionäre Macht hat, Vorurteile zu schüren und aufrechtzuerhalten und weiterhin an Umfang und Intensität zunehmen wird.”[13]

Juden haben versucht, das westliche Konzept der Redefreiheit von einer Freiheit der politischen Rede (die ursprüngliche Absicht hinter dem ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung) in eine Freiheit umzuwandeln, die Obszönität und Pornographie erlaubt. Diese werden eifrig von ihnen gefördert, weil sie im Einklang mit den Schlussfolgerungen in Die autoritäre Persönlichkeit sexuelle und moralische Lockerheit mit Philosemitismus sowie sexuelle Mäßigkeit und moralische Gradheit mit Faschismus und Antisemitismus assoziieren. Während das äußere Erscheinungsbild gewahrt blieb, wurde auf diese Weise das Wesen der Redefreiheit durch Propagandafilme wie Larry Flynt: die nackte Wahrheit verändert.  Im herkömmlichen Sinne ermöglichte sie es, die Mächtigen zu kritisieren und war eben nicht das Recht, Pornographie zu verbreiten, wie jüdische Aktivisten uns glauben lassen möchten.

Dank ihrer Kontrolle der wichtigsten Medien und der Unterhaltungsindustrie sind die antiweißen Ansichten einer winzigen feindseligen Minderheit von nur 2% (der Bevölkerung der USA) zur gegenwärtigen Massenkultur des Westens geworden. Diese kennt keine Tabus, wenn es darum geht, Weiße anzugreifen und zu beleidigen. Es ist niemals Hass im Spiel, wenn Hollywood „Hinterwäldler”, „weißen Abschaum”, „Eurotrash”, „dumpfe Blonde”, Prediger, Deutsche, Südstaatler oder katholische Priester attackiert. Nie ist dabei von Hass die Rede. Dies ist immer nur dann der Fall, wenn spitze Kritik an Juden geübt wird, mag diese sachlich richtig sein oder nicht. Weiße sind in Hollywood einem Sperrfeuer an Beleidigungen ausgesetzt: so werden weiße Frauen regelmäßig als dumme, hirnlose Schlampen dargestellt und weiße Männer sind erbärmlich, charakterschwach, verweichlicht und nutzlos. Der blonde Mann als Erzschurke ist ein anhaltendes Wahrzeichen Hollywoods. Derweil stellt man dort skrupellose, geldgierige Bankiers immer als soziopathische weiße angelsächsische Protestanten und nicht als die Juden dar, die in Wirklichkeit die Banken- und Finanzindustrie dominieren. Egal wie unwahrscheinlich dies in Wirklichkeit ist, interessieren sich attraktive weiße Frauen stets für die unsympathischen Juden oder Schwarzen in den jeweiligen Hauptrollen.

Da Schwarze und Weiße (außer in Grenzfällen) normalerweise keinen Umgang pflegen, muss man genau dies propagieren. Die Botschaft aus Hollywood an weiße Frauen lautet: „Paare dich mit Schwarzen, denn die sind richtig lässig und nobel, athletisch und stark und außerdem besser im Bett.” All dies wird ständig von Hollywood wiederholt, um Weiße zu überreden etwas zu tun, was sie aus freien Stücken nicht machen würden. Diese Propaganda nagt kontinuierlich an den Rändern der weißen Gesellschaft und hat mit der Zeit einen erodierenden Effekt auf die Masse der homogenen weißen Bevölkerung. Das ist genau das, was Hollywood und die US-Medien tun. Systematisch wird die weiße heterosexuelle Normativität untergraben.

Wenig überraschend ist, dass uns Goldhagen keine entsprechende Analyse der jüdischen Haltung gegenüber Nichtjuden bietet. Abgesehen davon, dass solche Informationen nicht einmal gesammelt werden, sind für Goldhagen jüdische Einstellungen in keiner Weise relevant, um das historische und gegenwärtige Phänomenon des „Antisemitismus“ zu verstehen. In der Tat (anscheinend, ohne eine Miene zu verziehen) versichert er uns: „Wir müssen nicht viel über Juden wissen, um den Antisemitismus zu erforschen. Vorurteile sind nun mal ein Merkmal voreingenommener Menschen und nicht ihrer Opfer. Das trifft besonders auf den Antisemitismus und die Juden zu.”[14]

Dementsprechend ist er bemüht, jüdisches Benehmen (und die jüdische Denkweise) von jeglicher Form einer kritischen Analyse abzuschirmen: „Die Diversität der Juden im Laufe der Geschichte und heute —ähnlich wie bei Europäern und Christen— und ihre vielen, von Zeitpunkt und Ort abhängigen, kommunalen und individuellen Unterschiede,  was Belange und Gebräuche angeht, führt den Versuch einen gemeinsamen Nenner zu finden, insbesondere was das Verhältnis von Juden zu Nichtjuden angeht, ad absurdum.”[15] Das ist unglaubliche Heuchelei und Unaufrichtigkeit von jemandem, der sich damit einen Namen gemacht hat, in seinem Buch Hitlers Willige Vollstrecker eine generalisierende Hypothese über Deutsche zu formulieren.

Sogar Hannah Arendt, Wortführerin jüdischer Intellektueller und Aktivisten, war bereit zuzugeben, dass jüdische Einstellungen und Verhaltensweisen ein wesentlicher Faktor seien, um das historische und gegenwärtige Phänomen des „Antisemitismus” zu verstehen. In Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft bemerkt sie:

Es war die jüdische Geschichtsschreibung, mit ihrer stark polemischen und rechtfertigenden Ausrichtung, die den Versuch unternahm, die Spuren von Judenhass in der christlichen Geschichte zu verfolgen. … Als diese jüdische Tradition eines oft gewalttätigen Gegensatzes zu Christen und Nichtjuden ans Licht kam, „war die allgemeine jüdische Öffentlichkeit nicht nur empört, sondern wirklich erstaunt,” so erfolgreich hatten ihre Wortführer sich selbst und alle anderen davon überzeugt, dass das jüdische Getrenntsein einzig und allein durch die Feindschaft und den Mangel an Aufgeklärtheit der Nichtjuden bedingt war. Das Judentum, so wurde nun hauptsächlich von jüdischen Historikern behauptet, war schon immer anderen Religionen überlegen gewesen, insofern als es an die Gleichheit der Menschen und die Toleranz glaubte. …

Diese Selbsttäuschung, verbunden mit dem Glauben, dass das jüdische Volk stets das passive, leidende Objekt christlicher Verfolgungen gewesen war, entsprach eigentlich einer Verlängerung und Modernisierung des alten Mythos des Auserwähltseins. …  Die Geschichtsschreibung „hat sich bis heute mehr mit der christlichen Trennung von den Juden als mit dem umgekehrten Fall befasst,” wodurch andererseits die wichtigere Tatsache in Vergessenheit geriet, dass die jüdische Abgrenzung von der nichtjüdischen Welt und speziell von der christlichen Umgebung eine größere Relevanz für die jüdische Geschichte hatte als der umgekehrte Fall aus dem offensichtlichen Grund, dass das schiere Überleben der Menschen als erkennbare Entität von solch einer freiwilligen Absonderung abhing und nicht, wie man heutzutage annimmt, von der Ablehnung durch Christen und Nichtjuden.[16]

In seinem meisterhaften Werk Der Leidensweg des Anstands schreibt der Soziologe John Murray Cuddihy ähnliches: „Beachtung verdient die zutiefst apologetische Struktur der Intellektualität in der Diaspora”, wodurch die jüdische „Intelligenzija das ansonsten beleidigende Benehmen ihrer Leute ‘erklärt,’ ‘entschuldigt,’ und ‘rechtfertigt’. All diese während der langen öffentlichen Diskussion über die jüdischen Emanzipationsproblematik [sprich: Juden verlassen das Ghetto und werden mit der fortschrittlicheren europäischen Kultur konfrontiert] gemachten ‘Schritte’ stellen, im Falle dieser der Tradition entfremdeten Intellektuellen eine apologetische Strategie dar.”[17] Das Böse stirbt nie aus steht voll und ganz in dieser jüdischen Tradition einer ethnischen Rechtfertigung.

In einem Werk von 486 Seiten, auf denen vorgeblich eine rigorose und umfangreiche Analyse des historischen und gegenwärtigen „Antisemitismus” stattfindet, erwähnt Goldhagen zu keinem Zeitpunkt (geschweige denn, dass er sie thematisiert) die Rolle jüdischer Aktivistenorganisationen als Speerspitze der demographischen Transformation des Westens durch ihre erfolgreiche Lobbyarbeit für offene Grenzen und vom Staate abgesegneten Multikulturalismus noch die Feindschaft, die dieses Verhalten zwangsläufig bei den enteigneten Weißen auslöst. In der Tat sind die Wörter „Einwanderung” „Multikulturalismus”, „Frankfurter Schule” und „Hollywood” nicht einmal in dem (13-seitigen) Index des Buches enthalten. Somit ist es ebenfalls nicht verwunderlich, dass auch Kevin MacDonald und seine Theorie des Judentums als einer evolutionären Gruppenstrategie — einschließlich einer umfangreichen Diskussion jüdischer intellektueller Apologetik in Kapitel 7 von Absonderung und ihr Unbehagen fehlt. Dies geschieht trotz der Tatsache, dass Goldhagen mit seiner Fixierung auf alle vorstellbaren Erscheinungsformen des „Antisemitismus” zweifelsohne von diesem Mann und seiner Theorie gehört hat. Wir können also nur die Schlussfolgerung ziehen, dass dieser weggelassen wurde weil Goldhagen es nicht schafft, MacDonalds’ These auf eine halbwegs überzeugende Weise zu widerlegen.

Goldhagen nimmt die weitreichende Bedeutung der von Darwin begonnenen intellektuellen Revolution zur Kenntnis, die unser Verständnis von uns selber und unserem Platz in der Welt grundlegend veränderte. Gleichwohl sind für ihn darwinistische Vorstellungen über jüdische Beziehungen mit  Nichtjuden weiterhin unerlaubte Frageansätze — ohne Zweifel, weil sie unweigerlich jüdisches Verhalten nicht als eine wahrscheinliche Ursache für „Antisemitismus” ausschließen. Er meint sogar, dass Juden nie wirklich mit Nichtjuden um den Zugang zu Ressourcen konkurriert haben: „Es gab keinen akuten, objektiven Konflikt um Gebiete, Ressourcen oder politische Kontrolle bzw. Vorherrschaft.”[18]

Auf dieser lächerlichen Grundlage lehnt er die Anwendbarkeit einer sehr überzeugenden intellektuellen Rahmenwerkes ab, um die Dynamik zwischen Gruppen zu verstehen und meint, dass „Wissenschaft oft dahingehend pervertiert worden ist, um solch [“antisemitisches”] Denken und Handeln zu rechtfertigen… indem man es mit einem daraus abgeleiteten Sozialdarwinismus verband, der Juden auf biologischer Basis zu einer Rasse von Übeltätern machte.”[19] So ist gemäß Goldhagens Zirkelschluss jeder Versuch „Antisemitismus” mit Hilfe von Darwins Ideen zu begreifen zwangsläufig eine wissenschaftliche  Perversion und in sich ein Beispiel für „Antisemitismus.” 

 

Das Judentum als eine evolutionäre Gruppenstrategie

Paradoxerweise, obwohl er die Gültigkeit einer darwinistischen Interpretation der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verneint, gibt Goldhagen bereitwillig (wenn auch ungewollt) zu, dass das Judentum eine evolutionäre Gruppenstrategie ist, die in Gang gesetzt wurde, um das Überleben der Juden als genetisch unterschiedliche Bevölkerungsgruppe zu sichern. Er bejaht zum Beispiel, dass das Judentum „eine sich gegenseitig stützende Religion und Ethnizität — Judentum und Judesein — umfasst, welche jüdische Gemeinschaften überall auf der Welt eine solide Grundlage bietet, um den natürlichen Tendenzen zur Assimilation zu widerstehen.”[20]

Von Beginn an existierte die Auffassung, dass Juden ein Volk bildeten, eine identifizierbare ethnische Gruppe, wie eine große Familie — schließlich waren sie die zwölf Stämme — und nicht einfach eine aus freien Stücken zusammengekommene Ansammlung von Gläubigen. Mehr als nur eine religiöse Gruppe, und immer noch mehr als lediglich eine ethnische Gruppe, bezeichnet die Bibel die Juden als Am Yisrael, das Volk Israels, oder besser übersetzt als die Nation Israels, eine ethnische Gruppe mit einem übergeordneten Gemeinschaftssinn und eigenem Territorium. Sogar in der Diaspora, ohne vorhersehbare Aussichten auf die Gründung ihres eigenen Staates, sahen  Juden sich selber als eine Nation, mit der feststehenden Idee der Existenz einer Heimat — das historische Land Israel und Jerusalem als dessen Hauptstadt. Einzig nach der Aufklärung, und noch mehr im 20. Jahrhundert, als die Aussicht auf Staatsbürgerschaft und wirkliche Anerkennung in anderen Ländern möglich erschien, begann diese Auffassung sich zu verflüchtigen— obwohl die Wahrnehmung, ein Volk zu sein, und ihre Gemeinsamkeiten als eine ethnische Gruppe bei den Juden bestehen blieb.[21]

Laut Goldhagen ist die Fähigkeit der israelischen Juden, „in einem Belagerungszustand und unter einer existentiellen Bedrohung über 60 Jahre lang zu überleben und zu gedeihen, lediglich die neueste Variante dieser festen Entschlossenheit, sich anzupassen und zu überleben.”[22] Währenddessen wird jede feste Entschlossenheit auf Seiten nichtjüdischer Gruppen, sich anzupassen und zu überleben, mindestens seit dem frühen 20. Jahrhundert von jüdischen Intellektuellen und Aktivisten als pathologisch angesehen.

Der Status des Judentums als eine evolutionäre Gruppenstrategie statt einer missionierenden Religion, der sich darin widerspiegelt wie man „beträchtliche Hindernisse aufgebaut hat, um potentielle Konvertiten abzuschrecken,” ist gemäß Goldhagen „bedeutsam gewesen für die Beziehungen von Juden mit der Welt der Nichtjuden und die besondere Eigenartigkeit des Antisemitismus, weil Juden nicht um die Leiber und Seelen von Nichtjuden gerungen haben.[23]  Während es zutrifft, dass Juden nicht mit Christentum und Islam um Konvertiten konkurrierten (eher das Gegenteil), haben sie durchaus mit Nichtjuden in einem aggressiven Wettstreit gelegen um den Zugang zu Ressourcen und den erweiterten Fortpflanzungsmöglichkeiten, die ein solcher Zugang bietet. In ihrem Bestreben andere Gruppen auszustechen haben die Juden der Diaspora seit der Aufklärung ebenfalls versucht, durch Verbreitung radikaler Kritik, direkten ethnopolitischen Aktivismus und die Vorherrschaft bei der Definition von Kultur die jeweiligen Gesellschaften nach ihren eigenen Interessen umzuformen.

Während sie Pluralismus und Vielfalt anpreisen sowie die Auflösung der rassischen und ethnischen Erkennungszeichen der Europäer fördern, haben Juden sich bemüht genau diese Art intensiver Gruppensolidarität zu erhalten, die sie bei anderen als unmoralisch anprangern. Sie haben ebenso Bewegungen initiiert und geführt, mit denen die traditionellen Grundlagen westlicher Gesellschaften diskreditiert werden sollen: Patriotismus, die christliche Basis für Moral, soziale Homogenität und sexuelle Zurückhaltung. Gleichzeitig verteidigen sie innerhalb ihrer eigenen Gesellschaften jene Institutionen, die sie im Westen angreifen. Dies ist ein im menschlichen Kulturspektrum ausgetragener darwinistischer Gruppenwettbewerb.

Die Natur kennt keine pluralistische rassische Harmonie, sondern nur den Kampf um die Rangordnung. Sogar Pflanzen bekämpfen sich gegenseitig wegen der besten Plätze sowie dem Zugang zu Sonnenlicht und Wasser. Das Gleiche trifft bei den Menschen auf den demographischen Wandel zu. Die Rassen, genau wie die Ameisen und andere niedere Tiere, ringen und kämpfen um Platz und Sonnenlicht sowie all die Dinge, die sie brauchen, um zu gedeihen. Eine „weiße Flucht“ spiegelt die Tatsache wider, dass die Lebensbedingungen für Weiße nicht mehr gegeben sind, wie z.B. sich unter Gleichen fortzupflanzen oder ein glückliches Leben zu führen. In 85 % der Fälle haben Weiße ihre Umgebung verlassen, um woanders ein besseres Umfeld zu suchen bzw. um in weißere Gebiete zu ziehen. Während einige behaupten, dass Weiße „selbstmörderisch” sind oder ihnen ihre Verdrängung egal ist, zeigt ihr Verhalten, dass dies auf die große Mehrheit von ihnen eben nicht zutrifft. Was ihnen fehlt ist eine Führung, die bereit ist sich den Kräften entgegenzustellen, die uns zerstören wollen.

Eine Art und Weise, wie Rassen um die Rangordnung kämpfen, ist die Kontrolle der Gedanken und Ideen ihrer Konkurrenten. Dies erklärt die Anstrengungen der Juden nach Eigentümerschaft in den Medien und der Unterhaltungsindustrie. Einfluss auf die Medien ist lediglich ein anderer Aspekt der ethnischen Konkurrenz: man füllt die Köpfe der Konkurrenten mit Dingen, die zwar nicht wahr sind, die aber zum Gedeihen der Juden beitragen. Jene Nichtjuden, die sich bewusst sind was abläuft, nehmen ihnen selbstverständlich diese selektive Verbreitung von Information als eine Art der ethnischen Kriegsführung übel.

Aus dieser breiteren soziobiologischen Perspektive betrachtet wird der „Antisemitismus” leicht verständlich und weist keine „besondere Eigenartigkeit” mehr auf. Indes will Goldhagen diese Tatsache absichtlich nicht wahrhaben und „Antisemitismus” bleibt ein Geheimnis, das ihn quält:

Antisemitismus hat die Menschen jahrhundertelang verblüfft. Warum gibt es so viel Hass auf Juden? Eigentlich würden wir erwarten, dass solch ein zahlenmäßig kleines, historisch meist machtloses Volk ignoriert worden wäre oder bestenfalls auf örtlicher Ebene mit Vorurteilen zu kämpfen hätte. Stattdessen sind Juden die Zielscheibe einer andauernden, weitverbreiteten und vehementen Animosität gewesen, weltweit das häufigste Vorurteil aller Zeiten. Warum sind Menschen überall auf der Welt— dies trifft besonders auf Europäer zu — so anfällig für Antisemitismus?[24]

Man könnte in der Tat davon ausgehen, dass ein „zahlenmäßig kleines, historisch meist machtloses Volk” ignoriert worden wäre. Allerdings trifft diese Beschreibung nicht exakt auf Juden zu. Das Ausmaß der sagen wir, gegen Zigeuner und erst recht gegen Mennoniten oder Mormonen gerichteten Feindschaft ist im Vergleich zum Hass auf Juden unbedeutend. Antijüdische Abneigung war eine bestimmende Komponente großer geschichtlicher Umbrüche, wie die spanische Inquisition und der Aufstieg des Nationalsozialismus — die in keinem geringen Maße darauf zurückzuführen sind, dass Juden als eine Elite Interessen vertreten, die sich radikal von denen der Völker unterscheiden, unter denen sie gelebt haben.

Zahlenmäßig mögen sie klein gewesen sein (obwohl auch nicht immer), aber der Begriff „historisch machtlos” ist eine ungeheuerliche Falschdarstellung der Lage der Juden. Jede Geschichte der Juden wird ausnahmslos deren beträchtlichen Einfluss auf andere herausstellen und wie das Ausmaß dieser Einflussnahme nur wenig mit ihrer Anzahl zu tun hatte. Dabei spielt natürlich der religiöse Bereich eine herausragende Rolle. Goldhagens moralische Anklage gegen das Christentum wegen dessen inhärenten „Antisemitismus” wird im zweiten Teil dieser Rezension untersucht.

Zu Tiel 2


[1] Daniel Jonah Goldhagen, The Devil That Never Dies (New York NY: Little, Brown & Co., 2013), 1.

[2] Ibid. 406.

[3] Ibid. Ix; 9.

[4] Ibid. 22-3.

[5] Ibid. 255.

[6] Ibid. 256.

[7] Ibid. 110.

[8] Ibid. 287.

[9] Ibid. 286; 282.

[10] Ibid. 122.

[11] Ibid. 327.

[12] Ibid. 329.

[13] Ibid. 253.

[14] Ibid. 12.

[15] Ibid. 20.

[16] Hannah Arendt, The Origins of Totalitarianism (Orlundo FL;Harcourt, 1966), xii-xiv.

[17] John Murray Cuddihy, The Ordeal of Civility: Freud, Marx, Levi-Strauss und the Jewish struggle with Modernity (New York NY; Beacon, 1987), 6.

[18] Goldhagen, The Devil That Never Dies, 79.

[19] Ibid. 4.

[20] Ibid. 14.

[21] Ibid. 15.

[22] Ibid. 14.

[23] Ibid, 13.

[24] Ibid. 11.

 

 

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