Eine Rezension von Daniel Jonah Goldhagens „Das Böse stirbt nie aus”, Teil 2
- Juni 2015—
„Antisemitismus” als „wahrhafte böse Ausgeburt des Christentums”
Statt dass Feindschaft gegen Juden ihre Ursprünge in der Gruppenkonkurrenz um Ressourcen hat, behauptet Goldhagen „Antisemitismus” sei „die wahrhafte böse Ausgeburt des Christentums.”[1] Er ignoriert passenderweise die Tatsache, dass Antipathie gegen Juden während der vorchristlichen Zivilisationen Ägyptens, Griechenlands und Roms weitverbreitet war und meint stattdessen, dass „Antisemitismus”
im damaligen Israel um Christi Geburt begann und sich wenig später nach Griechenland ausbreitete. Dort wurde er im Kontext der Sehnsucht der frühen Christen festgeschrieben sich die jüdische religiöse und messianische Tradition anzueignen, um also eigentlich ein Judentum in neuem Gewand zu schaffen. In Griechenland schrieben dann Leute, die Jesus nie gesehen hatten und nichts von den Ereignissen in seinem Leben wussten, die Evangelien erst 50 oder 100 Jahre nach dessen Tode im besten Falle gemäß dem nieder, was man vom Hörensagen kannte. Als Kaiser Konstantin zum Christentum übertrat und es im Römischen Reich zur Staatsreligion machte, feierte der Antisemitismus beachtliche Erfolge und schlug tiefe Wurzeln in Rom, dem damaligen Zentrum der westlichen Welt. Als sich sein Herrschaftsgebiet auf andere europäische Länder ausbreitete, brachten die säkularen und religiösen Behörden das antisemitische Evangelium mit sich. Nach dem Fall von Rom (den die Kirche überlebte) verbreitete sich dieses überall in Europa, sodass sich während des Mittelalters der Antisemitismus zusammen mit dem Christentum zu einem paneuropäischen Glaubenssystem entwickelt hatte, welches verschiedene Völker, Angehörige aller Klassen und Berufe und schließlich sogar unterschiedliche und sich untereinander bekriegende Formen des Christentum vereinte. Mit der späteren europäischen und christlichen Kolonisierung großer Teile der Welt verbreitete sich der Antisemitismus noch weiter.[2] Read more


“Britain’s anti-EU ‘Leave’ campaign has helped create a public discourse of prejudice and fear, couched in a parochial nationalism, that Jews in Britain must challenge.”




